Ich bin ein Second Life Aussiedler. Und bei dem, was ich bisher gehört und gesehen habe, sind die meisten Leute im OSGrid ehemalige Second Life User (ich habe im März 2007 angefangen) und hatten es wegen irgendeiner Regeländerung oder deren Ansicht zur Virtuellen Relität satt, sei es wegen der neulichen Änderungen, die im letzten Quartal 2009 durchgeführt wurden, den Preisänderungen zum Jahreswechsel 2008/2009, irgendeine andere Regel oder Nutzungsbedingung, oder einfach weil sie aus irgendeinem Grund von Second Life verbannt wurden. In meinem Fall war es eine Summe aus all diesen Elementen.
Die meisten Leute werden jetzt denken, dass OSGrid, oder jeder andere Open-Simulator-betriebene Grid einfach eine quelloffene und billigere Version von Second Life ist, und oberflächlich betrachtet ist es auch schwer, Unterschiede zwischen den beiden festzustellen. Die Welten sehen gleich aus, werden ähnlich gerendert, man (kann) die gleichen Viewer verwenden und den Avatar auf die gleiche Weise steuern, die gleichen Werkzeuge verwenden und viele andere Merkmale sind ebenfalls so, wie man sie von Second Life gewöhnt ist.
Darunter jedoch sind die beiden nur schwer vergleichbar. Ich rede hier nicht von dem Code – auch wenn es scheint, dass dieser ebenfalls komplett anders ist – sondern von einer komplett anderen Herangehensweise an Virtuelle Realität. Second Life und OpenSim haben beide ihre eigenen Vorteile, und Grenzen. Ein Vergleich, der mich überhaupt erst zum OSGrid gebracht hat, war Marcus Llewellyn’s Artikel ‘What is a Grid?‘. Grundsätzlich ermöglicht es Open Simulator jedem, den eigenen server (selbst wenn man hierzu nur den eigenen Heim-PC verwendet) mit einem bestehenden Grid zu verbinden, und somit kann jeder seine eigenen Regionen zu sehr geringen Kosten von zuhause aus betreiben, während in Second Life alles was man tut von Linden Labs gesteuert und festgehalten wird, und es fast keine (genehmigte) Möglichkeit gibt, die eigenen Werke zu speichern. (Das ist es, was überhaupt erst zu meinem Ban führte.)1
Es gibt also mehrere Dinge, die man im Hinterkopf behalten sollte, wenn ein Second Life Bewohner nach OSGrid, oder einem anderen OpenSim Grid wechselt.2 Viele davon wurden bereits von Zonja Capalini in ihrem Artikel “The Openspace fiasco: six months later” besprochen.
Zunächst: Ihr Inventar wird weg sein. Technisch ist es nicht möglich, Gegenstände von Ihrem Second Life Konto zu exportieren, außer den Dingen, die Sie selbst erstellt haben. Mehrere alternative Viewer bieten eine Exportfunktion für Werke, mit unterschiedlichen Graden dessen, was exportiert werden kann. Die meisten davon exportieren nur Gegenstände, deren einziger Schöpfer Sie selbst sind, und mehrere ‘copybot’ Viewer machen den Export von vielen anderen Dingen ebenfalls möglich. Diskussionen zur Legalität des Exports virtueller Güter sind häufig im OSGrid und ich habe darauf keine richtige Antwort. Persönlich habe ich für mich entschieden, dass es am sichersten ist, auf meine eigenen Kreationen zu vertrauen und ich versuche daher alles, was ich brauche, selbst herzustellen, was soweit ganz gut funktioniert.
Dies bringt uns zum nächsten Punkt: Sicherheit. Dinge im OSGrid (oder anderen Open Simulator Welten) zu erstellen ist nicht so ‘sicher’, was die Beschränkungen angeht, wie es in Second Life ist. Grundsätuzlich kann jeder, der eine OpenSim region betreibt, alle Beschränkungen jedes dort befindlichen Gegenstandes aufheben. Das ist jedoch einfach das gleiche Problem, welchem kreative Menschen auf dem ganzen Planeten gegenüberstehen, seit ihre Schöpfungen ‘digitalisiert’ werden können (und wenn diese Schöpfungen sowieso nur digital existieren, ist es ein Problem, dem man sich stellen muss); und ein restriktives System ist keine Lösung. Man muss wahrscheinlich eher die Tatsache akzeptieren, dass es unehrliche Leute gibt, die Ihre Werke kopieren werden, egal was ist. Und diese Leute sind keine Kunden, und werden auch nie welche werden. Sie werden Ihre Werke nicht monetär schätzen, aber eine Kopie ist noch immer das ehrlichste Kompliment.3 Und es gibt RL Gesetze um Urheberrechtsverletzungen zu begegnen. Es mag schwer verständlich sein, aber die “Sicherheit” in Second Life ist nicht einmal viel sicherer als gar keinen Kopierschutz zu haben. Man vertraut sein Inventar, sein Guthaben, seinen Serverplatz (Land) einem einzigen Unternehmen an, und dieses Unternehmen kann einen jederzeit verbannen, aus irgendeinem Grund, ohne eine Entschädigung.4
Schließlich ist die Community noch sehr klein im Vergleich zur großen Userbasis in Second Life, und die Software ist noch in Entwicklung und experimentell. Es liegt bei jedem selbst zu entscheiden, ob dies eine Herausforderung, oder ein Hindernis ist. Für mich ist es eine aufregenden Chance, die Grenzen der Virtuellen Welten zu erforschen und neue Wege zu schlagen.
- Ein Artikel auf rezzable vergleicht die Merkmale von OpenSim mit Second Life. [↩]
- Ich verwende OSGrid als Beispiel eines Open Simulator betriebenen Grids. Mir ist klar, dass er bei weitem nicht der einzige ist. Jedoch ist er der größte und ‘offenste’ (was Beschränkungen und Regeln angeht) den ich kenne. [↩]
- Um eine unbekannte asiatische Quelle zu zitieren. [↩]
- Es ist verführerisch zu glauben, dass jemand mit so viel Macht und Verantwortung vorsichtig damit umgeht, ich musste allerdings eine andere Erfahrung machen. [↩]










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